Im feel free durften wir kürzlich Imam Fikret Fazlić gemeinsam mit einer Delegation des Islamischen Kulturzentrums in der Laubgasse begrüßen. Dem Treffen war bereits ein erster Austausch vorausgegangen, bei dem wir die Moschee in der Laubgasse besuchen konnten. Beide Begegnungen verstehen wir als wichtige Schritte in einem beginnenden Dialog, der auf gegenseitigem Respekt, Offenheit und dem Willen zum Zuhören basiert.
Beim aktuellen Treffen kamen Vertreter:innen beider Seiten zusammen: Imam Fikret Fazlić, ein Vorstandsmitglied des Vereins sowie eine Religionslehrerin auf Seiten des Islamischen Kulturzentrums, sowie zahlreiche Gäste aus dem RosaLila PantherInnen Umfeld. Das Gespräch wurde moderiert von Heinz Schubert, leiter der Arbeitsgemeinschaft HUG – Homosexuelle und Glaube. Die große Runde machte deutlich, dass das Interesse am Austausch hoch ist – zugleich zeigte sich, dass solche Begegnungen Zeit brauchen, um ein gemeinsames Gesprächsfeld zu entwickeln. Gerade diese anfängliche Phase des Kennenlernens ist jedoch eine wichtige Grundlage für alles Weitere.
Ein zentrales Thema war die Bedeutung von Dialog statt vorschneller Verurteilung. Besonders hervorgehoben wurde, dass der direkte Austausch gesucht wurde, anstatt pauschale Zuschreibungen oder politische Forderungen in den Vordergrund zu stellen. Imam Fazlić machte deutlich, dass extremistische Stimmen – etwa aus dem Internet oder von Einzelpersonen – nicht den Mainstream der Gemeinde repräsentieren. Diese klare Abgrenzung wurde von unserer Seite als wichtiges Signal wahrgenommen.
Im Gespräch wurde auch die Vielfalt innerhalb der muslimischen Gemeinde thematisiert. Der Imam schilderte, dass Seelsorge für Menschen unterschiedlichster Herkunft und Lebensrealitäten geleistet wird und dass interkulturelle sowie interreligiöse Fragestellungen eine zunehmende Rolle spielen. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass Fragen rund um queere Lebensweisen in muslimischen Kontexten oft noch wenig explizit behandelt werden und hier unterschiedliche Perspektiven und Verständnisse aufeinandertreffen.
Besonders eindrücklich war der Austausch zum Thema Diskriminierung im öffentlichen Raum. Persönliche Erfahrungen von Anfeindungen machten deutlich, dass sowohl queere Menschen als auch Muslim:innen Ausgrenzung und Gewalt erleben. Trotz unterschiedlicher Zugänge bestand Einigkeit darüber, dass respektvolles Zusammenleben und der Abbau von Feindbildern nur über Gespräch, Begegnung und Vernetzung möglich sind. In diesem Zusammenhang wurde auch die Bereitschaft signalisiert, Kontakte zu lokalen islamischen Einrichtungen herzustellen, um den Dialog auf Nachbarschaftsebene zu fördern.
Ein weiterer wichtiger Punkt war der Umgang mit queeren Menschen innerhalb religiöser Communities. Seitens des Islamischen Kulturzentrums wurde betont, dass Menschen nicht verurteilt werden und Seelsorgeangebote offenstehen. Gleichzeitig zeigte sich, dass hier noch Unsicherheiten bestehen und konkrete Unterstützungsstrukturen oft fehlen. Aus dem Treffen entstand daher die Idee, mögliche Kooperationen weiterzudenken – etwa durch die Vermittlung queerer Personen an bestehende Beratungs- und Unterstützungsangebote oder durch langfristige Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit.
Das Treffen hat deutlich gemacht: Der Austausch steht noch am Anfang. Unterschiedliche Sichtweisen wurden offen benannt, nicht alles konnte aufgelöst werden – und genau darin liegt der Wert dieses Dialogs. Wir sehen die Begegnung als wichtigen Schritt, um gegenseitiges Verständnis zu fördern und gemeinsam an einem respektvollen Miteinander zu arbeiten.
Wir bedanken uns herzlich bei Imam Fikret Fazlić und der Delegation des Islamischen Kulturzentrums in der Laubgasse für den offenen Austausch und die mutige Bereitschaft zum Gespräch. Wir freuen uns darauf, diesen Dialog bei weiteren Terminen fortzusetzen. Gerne nehmen wir auch die Einladung des Imams an und werden die Moschee in der Laubgasse bei einem der nächsten Treffen als Gruppe besuchen.










