2. Grazer Stolpersteinverlegung

Am Freitag, dem 17.07., wurden zum zweiten Mal in Graz Stolpersteine in Gedenken an Opfer des NS-Regime verlegt. Auch in diesem Jahr wurde ein Stolperstein für ein homosexuelles Opfer des Holocaust, Franz Schwarzl, verlegt.

Ein Auszug aus der Gedenkrede unserer Obfrau Martina Weixler:

Wir, die schwul-lesbische Gemeinschaft, sehen uns als Angehörige – als Familie – unseres Vorreiters, Alfred Mitkrois. Und wir sind froh und dankbar, dass mit der heutigen Stolpersteinverlegung zum 1. Mal in Graz eines homosexuellen Aktivisten und NS-Opfers gedacht wird. Wir wissen, dass so ein Gedenken noch nicht überall selbstverständlich ist: Homosexuelle werden auch heute noch in großen Teilen der Welt verfolgt. In über 70 Staaten der Welt ist Homosexualität illegal und wird bestraft, in 7 Ländern besteht sogar die Todesstrafe. In einigen Systemen mussten wir in den letzten Jahren sogar eine rückschrittliche Entwicklung beobachten: so etwa in Russland (mit dem Gesetz gegen Homosexuellenpropaganda aus dem Jahr 2013), in Burundi (mit der Illegalisierung von Homosexualität seit 2009) oder auch in Uganda, wo seit dem Jahr 2000 zunehmend Gesetzesverschärfungen stattfinden. In diesen Ländern stehen Verachtung, Hass und Gewalt gegenüber Homosexuellen an der Tagesordnung. Und das ist ein klarer Beweis dafür, dass unsere Arbeit als schwul-lesbische Interessenvertretung nach wie vor ihre Berechtigung hat. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir alle wachsam bleiben müssen.Eine Schreckensherrschaft wie das NS-Regime, mit Minderheitenverfolgung und Gewalt – all das kann uns wieder passieren, wenn wir nicht wachsam bleiben und uns für Frieden, Akzeptanz und Menschenwürde einsetzen. Und deshalb wollen wir auch weiterhin für ebendiese Werte kämpfen: Als Bewegung, als Familie und als Gedenkgesellschaft all derer, die heute nicht mehr bei uns sind. Es erfüllt mich einerseits mit Wehmut, heute hier zu stehen, aber auch und vor allem mit großer Zuversicht. Allein die Tatsache, dass wir uns so zahlreich versammelt haben, um diese Stolpersteinverlegung zu begehen – sie zeigt uns, dass wir auf einem guten Weg sind. Ich bin mir sicher, Alfred Mitkrois würde das auch so sehen. Er hat für uns einen wichtigen Grundstein gelegt – heute legen wir einen für ihn.