Hohensinner will die Grazer ÖVP ins 21. Jahrhundert führen

30. März 2022

Nach dem Debakel der Grazer Gemeinderatswahl versucht der neue ÖVP-Chef Kurt Hohensinner eine Imagekorrektur. Die ÖVP soll das Image der Beton-Lobby und Interessensvertretung für Immobilienspekulanten verlieren. Insbesondere soll durch die Kür von drei stellvertretenden Parteivorsitzenden eine stärkere weibliche Note und damit mehr Herzlichkeit in die Politik einziehen. Ein Bereich, in dem dies gelten soll, sind Lesben und Schwule – eine Personengruppe, die unter ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl lange behandelt wurden, wie persönliche Feinde. So hatte Nagl jahrelang gegen die rechtliche Absicherung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften agitiert und Lesben und Schwulen trotz mehrerer Kundgebungen und der öffentlichen Meinung den Trauungssaal im Grazer Rathaus verweigert, bis ihn der Verfassungsgerichtshof zur Aufgabe zwang.

Diskriminierung in Graz trieb dabei seltsame Blüten: da Nagl und seinem Blauen Koalitionspartner Eustacchio die von der Holding an die PantherInnen vermieteten Fahnenmasten am Grazer Hauptplatz mit den Regenbogenfahnen nicht gefiel, wurde die Holding angewiesen, die Masten gar keiner Initiative zur Verfügung zu stellen und damit auf enorme Einnahmen zu verzichten. Denn im Rathaus wusste man, dass man bei einem Ausschluss der Homosexuellen ein Verfahren mit Bomben und Granaten verlieren würde: also verzichtete man auf die Fahnen aller Vereine, nur damit keine Regenbogen vor dem Rathaus gehisst wurden.

Kurt Hohensinner als Stadtparteiobmann gemeinsam mit seinem neuen Team. Fotocredit: Grazer Volkspartei/Morgenstern

Mit derartigem Unsinn soll nun Schluss sein. „Auch homosexuelle Paare und Ehepaare ziehen Kinder in Liebe und Wertschätzung auf,“ erklärte Hohensinner beim Stadtparteitag und zeigte den Anschluss an ÖVP-Positionen, die in der Steiermark einst Klubobmann Christopher Drexler oder Landeshauptfrau Waltraud Klasnic schon vor 15 Jahren vertreten hatte. Der Applaus bei dieser Passage von Hohensinners Rede war etwas leiser, doch wählten die Delegierten Hohensinner mit 97,3 % der Stimmen.

Als sehr positives Zeichen wertet es RLP Vorsitzender Joe Niedermayer, dass er als Vertreter der RosaLila PantherInnen erstmals bei einem ÖVP Parteitag eingeladen wurde. Unter den Gästen fanden sich neben Bundeskanzler Nehammer und dem Landeshauptmann Schützenhöfer die queere ÖVP Prominenz, wie der Abgeordneter zum Nationalrat, Nico Marchetti, Abgeordneter zum Wiener Landtag und Gemeinderat Josef Mantl und die Abgeordnete zum Nationalrat, Martina Kaufmann welche an diesem Abend auch zur Grazer ÖVP Obmann-Stellvertreterinn gewählt wurde.

Hohensinner hat erkannt, was vor ihm schon viele Konservative gesehen haben: dass nämlich gerade Homosexuellee mit Trauschein und Kindern in Wirklichkeit ja ein völlig konservatives, wertstabiles Setting bilden – weit entfernt von Orgien und Kommunen und sexueller Revolution.

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