Land Steiermark verbietet RLP Hütte beim Aufsteirern

4. September 2025 | Politik, Bildung & Gesellschaft

Land Steiermark verbietet RLP Hütte beim Aufsteirern

4. September 2025 | Politik, Bildung & Gesellschaft

Unsere Lebkuchenherzen sind schon im Backofen – umso größer war heute unsere Verwunderung, als wir aus der Kronen Zeitung erfahren mussten, dass unsere geplante Teilnahme am diesjährigen „Aufsteirern“ in Graz abgesagt werden soll. Einen offiziellen Brief oder eine Mitteilung seitens des Landes Steiermark hatten wir bis dahin nicht erhalten.

Die Veranstalter:innen des Aufsteirern (Ivents Kulturagentur), die uns aktiv eingeladen hatten, eine Hütte zu bespielen, haben uns nun ebenfalls schweren Herzens mitgeteilt, dass sie uns leider absagen müssen. Wir sind darüber sehr traurig – verstehen aber, dass die Agentur angesichts der massiven öffentlichen Förderung durch das Land Steiermark in Höhe von mehreren hunderttausend Euro de facto keine andere Wahl hatte, als unserer Teilnahme zu widersprechen. Die Veranstalter:innen haben uns in diesem Zusammenhang angeboten, etwaige Stornokosten für unsere geplanten Beiträge zu übernehmen.

Was ist Tradition?

Das Aufsteirern-Festival gibt es seit 2002 – die RosaLila PantherInnen sind bereits seit 1991 Teil der steirischen Gesellschaft. Wir sind somit ebenso Tradition und Kultur in der Steiermark. Seit über drei Jahrzehnten setzen wir uns für Sichtbarkeit, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander ein.

Wir wissen auch, dass queere Menschen in der Steiermark genauso Teil des „Volkes“ sind wie alle anderen – und genauso wählen wie alle anderen (siehe diesen Artikel auf GGG.at, wonach fast ein Drittel der Nutzer:innen der Plattform „Romeo“ die FPÖ wählen würden). Queere Menschen sind also keine Randgruppe außerhalb der Gesellschaft, sondern mitten in ihr.

Was wir im Detail auf unserer Hütte geplant hatten

Unser Beitrag zum Fest hätte wie folgt ausgesehen:
• Wir hätten an unserem Stand traditionelle Lederhosen und Dirndl getragen.
• Angeboten hätten wir österreichisches Bratlfettnbrot, Lebkuchenherzen, Bier, Wein und Liköre.
• Unser Stand wäre in die Handwerksmeile eingebettet gewesen, direkt gegenüber einer Bühne mit den Gruppen Steirisch Echt, Ennstal Kryner und Dor Calator aus Rumänien.
• Eigene Musik war nicht vorgesehen, da wir uns bewusst ins bestehende Programm einfügen wollten.

Damit hätten wir in der Stubenberggasse genau das geboten, was das Aufsteirern ausmacht: Volksmusik, Tracht, Handwerk und kulinarisches Brauchtum.

Wir gehören offenbar nicht dazu!

Umso unverständlicher ist es für uns, dass schwule, lesbische oder andere queere Menschen offenbar nicht Teil der steirischen Volkskultur sein sollen.

Wir sehen unseren volkskulturellen Mehrwert genau darin, sichtbar zu machen, dass die steirische Kultur bunt, vielfältig und offen ist – und dass auch queere Menschen selbstverständlich Lederhose und Dirndl tragen, Volksmusik hören, Bratlfettnbrot essen und Brauchtum leben.

Volkskultur lebt nicht von Ausschluss, sondern von Teilhabe, Vielfalt und Gemeinschaft. Unser Stand wäre ein Symbol dafür gewesen, dass Brauchtum von allen und für alle Menschen in der Steiermark da ist.