Nachruf für Jakob Klivinyi (1948–2025)

25. August 2025 | Vereinsinfos

Nachruf für Jakob Klivinyi (1948–2025)

25. August 2025 | Vereinsinfos

Unter dem Pseudonym „Steckerl“ schrieb er in den 1980er Jahren regelmäßig Kolumnen in der „Buschtrommel“, der Zeitung der HOSI Steiermark. Damals, in den frühen Jahren der Homosexuellenbewegung, war Jakob in Graz nicht zu übersehen: groß, laut, unübersehbar und nie zu scheu, sich einzumischen. Kaum eine Podiumsdiskussion über die Entkriminalisierung der Homosexualität verging, ohne dass er das Wort ergriff.

Besonders kämpfte er gegen die Verlogenheit der katholischen Kirche und für eine offene Auseinandersetzung mit dem nicht aufgearbeiteten Nationalsozialismus in Österreich. Obwohl er keine einfache Persönlichkeit war, verfügte er über ein besonderes Talent im Hintergrund: Allianzen zu schmieden, Verbindungen herzustellen, Brücken zu bauen. Oft unbemerkt gelang es ihm, Unterstützung zu sichern, wo man sie nicht vermutet hätte. So wurde die „Buschtrommel“ jahrelang kostenlos von der Aktionsgemeinschaft, einer studentischen ÖVP-Fraktion, gedruckt – während mit der ÖVP politisch zugleich die Abschaffung des Mindestalters von 18 bei schwulen Beziehung politisch nicht möglich war. Erst 2002 setzte der Verfassungsgerichtshof diesem Unrecht ein Ende.

Jakob war laut in einer Zeit, in der offenes Auftreten für Homosexuelle fast immer mit beruflichen Nachteilen verbunden war. Für ihn bedeutete das konkret, dass er nicht als Lehrer an einer Schule arbeiten konnte und sich als Privatlehrer für Sprachen durchschlug.

2025, kurz vor seinem Tod, erkannte die Republik Österreich sein Leiden an: Nach seinem Antrag erhielt er eine kleine Entschädigung für die erlittenen Haftzeiten – ein spätes, aber wichtiges Zeichen der Entschuldigung für die jahrzehntelange strafrechtliche Verfolgung.

Jakob Klivinyi hat mit seiner Unerschrockenheit, seiner Beharrlichkeit und seinem unbeugsamen Sinn für Gerechtigkeit tiefe Spuren hinterlassen. Er war unbequem, er war kompromisslos, und gerade deshalb war er wichtig. Sein Name und sein Einsatz werden in der Erinnerung unserer Bewegung weiterleben.