Offener Brief der Grazer Bürgermeisterinnen und der RosaLila PantherInnen gegen die Kriminalisierung der Pécs Pride!

18. November 2025 | Politik, Bildung & Gesellschaft

Offener Brief der Grazer Bürgermeisterinnen und der RosaLila PantherInnen gegen die Kriminalisierung der Pécs Pride!

18. November 2025 | Politik, Bildung & Gesellschaft

Die Stadt Graz und die RosaLila PantherInnen verfolgen mit großer Sorge die aktuellen Entwicklungen rund um die Pride in unserer Partnerstadt Pécs. Der Organisator der Pride, Géza Buzás-Hábel vom „Diverse Youth Network“ wurde zu einer polizeilichen Vernehmung vorgeladen und sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, durch die Organisation der Veranstaltung eine Straftat begangen zu haben. Nun droht ihm eine Gefängnisstrafe.

Die Pécs Pride, an der auch in den vergangenen Jahren auch eine Delegation aus Graz teilgenommen hat, war eine friedliche Versammlung, bei der tausende Menschen ihr Recht auf Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit wahrgenommen haben.

Die nun drohende Kriminalisierung des Organisators stellt einen alarmierenden Eingriff in grundlegende demokratische Rechte dar und widerspricht den Prinzipien, die innerhalb der Europäischen Union gelten sollten.

Offener Brief der Stadt Graz und der RosaLila PantherInnen

In einem gemeinsamen offenen Brief, unterschrieben von den Grazer Bürgermeisterinnen Elke Kahr und Judith Schwentner zeigen die Stadt Graz und die RosaLila PantherInnen Solidarität mit Géza Buzás-Hábel. Wir fordern:

  • den sofortigen Rückzug aller Anschuldigungen,
  • die Wiederherstellung der demokratischen Rahmenbedingungen für Versammlungsfreiheit,
  • sowie ein Ende der Kriminalisierung von Pride-Veranstalter:innen.

Géza Buzás-Hábel verdient Anerkennung für seinen Mut und sein Engagement – nicht strafrechtliche Verfolgung.

Wir werden nicht schweigen!

Als langjährige Partnerstadt und aktive Unterstützer:innen der Pécs Pride stehen wir fest an der Seite der ungarischen LGBTIQ Community und aller Menschen, die für Freiheit, Gleichberechtigung und Menschenrechte eintreten. Wir werden uns weiterhin für eine offene, vielfältige und inklusive Gesellschaft einsetzen, in der die Grundrechte aller geschützt werden.


Offener Brief an das ungarische Parlament

Sehr geehrter Herr Parlamentspräsident Kövér László,
sehr geehrte Abgeordneten des ungarischen Parlaments!


Am 4. Oktober 2025 fand in unserer Partnerstadt Pécs die Pécs Pride statt. Tausende versammelten sich und nahmen ihr Recht wahr, friedlich für die Rechte der LGBTIQ Community einzutreten.

Genau das ist seit Anfang des Jahres 2025 in Ungarn als „Ordnungswidrigkeit“ eingestuft. Dass dem Organisator, Buzás-Hábel Géza, aufgrund der Organisation dieser friedlichen Demonstration von strafrechtlichen Konsequenzen bedroht ist, finden wir eines demokratischen Staates unwürdig.

Der Einsatz für die Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten wird von Parteien im demokratischen Spektrum unterschiedlich beurteilt, von manchen mit Skepsis betrachtet, von anderen unterstützt. In einer Demokratie muss eine Vielfalt der Meinungen zulässig sein. Ebenso muss es im Rahmen der Meinungsfreiheit möglich sein, ohne Angst vor Strafverfolgung und Repressionen im Rahmen einer friedlichen Veranstaltung wie der Pécs Pride seinen Überzeugungen Ausdruck zu verleihen.

Mit Ungarn und besonders mit Pécs, eine der Partnerstädte von Graz, verbindet uns eine enge Beziehung. Wir sind überzeugt, dass die Menschen in Ungarn und in Österreich dieselben Bedürfnisse und Hoffnungen teilen. Umso schwerer fällt es uns daher, zu verstehen, warum die Behörden in unserem Nachbarland zu solchen Mitteln greifen, um eine Gruppe von Menschen in die Nähe krimineller Handlungen zu rücken, die mit friedlichen Mitteln für ihre Rechte eintreten.

Es wäre ein wichtiges Signal, dass die Anschuldigungen gegen den Veranstalter Buzás-Hábel Géza zurückgenommen und die demokratischen Rahmenbedingungen für die Versammlungsfreiheit vollständig wiederhergestellt werden.

Wir stehen an der Seite jener, die für eine offene, vielfältige und inklusive Gesellschaft eintreten, in der die Grundrechte aller Menschen respektiert werden. Wir hoffen, dass sich unser Nachbar ebenso zu diesen Werten bekennt und entsprechend handelt.

Elke Kahr, Bürgermeisterin der Stadt Graz
Judith Schwentner, Bürgermeister-Stellvertreterin der Stadt Graz
Joe Niedermayer, für die RosaLila PantherInnen Graz