Offenheit und Wertschätzung in der Weltbischofssynode 2014

merryNoch vor wenigen Jahren nannte Papst Benedikt XVI. Homosexualität eine „Anomalie“. Neben Begriffen wie Sünde, Krankheit oder Unsittlichkeit kannte die katholische Kirche kaum andere Bezeichnungen für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Doch das sollte sich ändern: mit der Weltbischofssynode zur Diskussion des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen, Empfängnisverhütung und Homosexuellen.

Die Anerkennung homosexueller Partnerschaften, seit jeher ein rotes Tuch in der katholischen Kirche, bereitete anfangs selbst den progressivsten Klerikern Magenschmerzen. Doch ist zu bemerken, dass Homosexualität im Katechismus – im „Handbuch“ der katholischen Lehre – nicht als Sünde angeführt wird. „Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen hat tiefsitzende homosexuelle Tendenzen. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen.“, heißt es im Abschnitt über Keuschheit und Homosexualität. Letzterer Satz scheint zu verblüffen – wurde Homosexualität doch stets von der Kirche verurteilt und schwule und lesbische Mitbürger mit Missachtung und Ausgrenzung bestraft.Doch Empörung und Enttäuschung weichen nun den Gefühlen positiver Überraschung und Hoffnung beim Bemerken einiger beachtlicher Äußerungen in der Weltbischofssynode. In ihrem Zwischenbericht heißt es doch tatsächlich, dass Homosexuelle die christliche Gemeinschaft bereichern können und dass letztere in der Lage sei, die Gaben und Qualitäten auch solcher Lebensgemeinschaften anzuerkennen. Zudem ist erstmals davon die Rede, Homosexuelle in der Gemeinde brüderlich aufzunehmen. Und der Aussage eines Kardinals, dass die Identität eines Menschen nicht von seiner sexuellen Tendenz bestimmt wird, wurde bei der Synode mehrheitlich zugestimmt. All diese Gedanken zeugen durchaus von Progressivität. Papst Franziskus hat als erster Papst in der Geschichte und entgegen starker interner Kritik die Diskussion um Homosexualität in der katholischen Gemeinschaft eröffnet. Und er hat dazu eine bemerkenswert offene und wertschätzende Herangehensweise gewählt. Und so sehen wir nun: Es ist möglich, Veränderungen zu bewirken, indem man auf die Bevölkerung mit Offenheit und Wertschätzung zugeht. Es ist möglich, Menschen positiv zu begegnen, auch wenn man ihre Gefühle und Lebensweisen nicht teilt oder versteht.